Fujian Online | Kim Hyun Jungs Porträts von Korea: Innere Schönheit – Vollkommene Ruhe nach dem einsamen Essen
In diesem Beitrag stellt die Künstlerin Kim Hyun Jung ihr Gemälde „Naesoong: Der perfekte Tisch" vor. Anhand einer Frau in Hanbok, die allein Jajangmyeon und Tangsuyuk isst und dabei einen Paketkarton als Esstisch nutzt, reflektiert sie die Erschöpfung und den Druck zur Selbstfürsorge, die sich hinter der gesellschaftlichen Parole „Auch allein soll man gut essen" verbergen. Am Ende des Artikels wird zudem der Werdegang der Künstlerin vorgestellt.
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Die koreanische Gesellschaft predigt heute unablässig eine bestimmte Lebensphilosophie: „Auch allein soll man gut essen und gut leben." Unternehmen sprechen von der Work-Life-Balance des Einzelnen, die Medien verpacken das Alleinessen und Alleintrinken als Lifestyle einer neuen Generation. Doch hinter diesen leicht und modisch klingenden Worten verbergen sich längst erschöpfte Körper und Seelen. Allein zu essen ist weniger ein Ausdruck von Freiheit als vielmehr eine erzwungene Gewohnheit – ein Schatten, den die heutige Arbeitsstruktur wirft, in der den Menschen nicht einmal mehr der Raum bleibt, in Ruhe gemeinsam mit anderen zu essen. Die Gesellschaft rät unablässig, „auf sich selbst zu achten", doch die Zeit, das Geld und die Kraft, die eine solche Selbstfürsorge überhaupt erst ermöglichen, werden still und leise dem Einzelnen aufgebürdet. Was erschöpfte Menschen ergreifen, ist kein teures Resort und keine ferne Flucht, sondern nur die vertraute Speisekarte auf dem Bildschirm einer Lieferservice-App. Diese Gesellschaft, die unaufhörlich „Liebe dich selbst" ruft, reduziert in Wahrheit selbst die grundlegendste Erholung auf die Frage, ob der Einzelne gut genug im Selbstmanagement ist. Dieser Widerspruch hat mich stets unbehaglich gestimmt.
Als koreanische Malerin wollte ich dieses Unbehagen in das Bild einer ganz privaten Mahlzeit verwandeln. Keine Bankettszene auf einem traditionellen Wandschirm, kein festlich gedeckter Tisch als Symbol familiärer Vereinigung, sondern eine Frau, die einen Paketkarton der Post als Esstisch benutzt und allein vor Jajangmyeon und Tangsuyuk sitzt. Sie trägt eine ordentliche, elegante Hanbok-Jacke, doch ihre Haltung ist alles andere als gesittet: Sie lehnt schräg auf dem Boden, ein Bein achtlos ausgestreckt, den Blick gedankenverloren auf die endlos abspielenden Kurzvideos ihres Handys gerichtet. Das hat nichts mit den „heilsamen" Bildern gemein, die wir aus der Werbung kennen. Doch gerade ich glaube, dass sich das wahre Gesicht der Erholung genau in solchen Momenten zeigt – etwas unbeholfen, etwas zu locker, ja fast ungeordnet. Dies ist kein Tisch, der für andere in Szene gesetzt werden muss, sondern eine private Bühne, die einzig dem eigenen Selbst vorbehalten ist. Das Werk „Naesoong: Der perfekte Tisch" rückt genau dieses „Ich", das im Zentrum dieser Bühne sitzt, in den Vordergrund des Bildes.
Das eigentliche Zentrum dieses Bildes ist der Paketkarton. Dieser Einwegkarton legt beinahe ungeschminkt die Vorläufigkeit und Improvisation unseres Lebens offen. Wie der Wellpappenstapel, der heute vor der Tür liegt und morgen schon abgeholt wird, ruht auch unsere Erholung stets nur auf einer Art Notlösung. Man kommt nach den Überstunden nach Hause, verschlingt hastig noch spät in der Nacht eine Mahlzeit, während man sich schon Sorgen um den nächsten Morgen macht – kein Tisch, liebevoll für die Familie gedeckt, sondern schlicht die direkteste Wahl, um den erschöpften Körper gerade noch aufrechtzuerhalten. Die dunkle, dickflüssige Soße des Jajangmyeon, der ölige Glanz des Tangsuyuk – das alles liegt weit entfernt von den vielgepriesenen Tugenden „Gesundheit" und „Mäßigung". Und doch bleibt diese Mahlzeit ein kleines, aber echtes Ritual, das bestätigt: Ich lebe noch, ich behaupte mitten in dieser täglichen Erschöpfung zumindest ein Mindestmaß an Dasein. Die auf dem Handybildschirm endlos automatisch abspielenden Kurzvideos flackern wie ein leises, aber beständiges inneres Signal, das sagt: Ich will für einen Moment nicht mehr denken müssen. „Perfekt" bedeutet hier weder ein ausgewogenes Verhältnis von Geschmack und Nährwert noch Raffinesse und Anstand, sondern schlicht, endlich für einen Augenblick eine geistige Leere zu erlangen – nichts beurteilen, nichts beantworten, sich nicht länger zusammenreißen zu müssen.
Der „perfekte Esstisch", den sich die Gesellschaft vorstellt, bleibt bis heute an das Bild eines Abendessens gebunden, bei dem die ganze Familie gemeinsam um den Tisch sitzt. Und im Zentrum dieses Tisches steht meist eine Mutter. Sie legt unaufhörlich Speisen nach, wärmt kalt gewordene Beilagen wieder auf und teilt das Essen einzeln nach dem unterschiedlichen Geschmack jedes Familienmitglieds ein. Diese Mühe wird stets im Namen der „Liebe" verklärt, als Tugend der „Aufopferung" verbrämt. Doch diese Plackerei wird so gut wie nie wirklich vergolten. Niemand schafft ihr Zeit zur Erholung, niemand teilt mit ihr die Last der Hausarbeit. Dieses stillschweigende Einverständnis, für das niemand Verantwortung übernimmt, widert mich an. Deshalb wird die Frau in „Naesoong: Der perfekte Tisch" nicht mehr als jemandes Mutter oder jemandes Ehefrau benannt. Sie ist einfach nur ein „Ich", das den heutigen Tag überstanden hat und allein einem Tisch gegenübersitzt, der ganz und gar dem eigenen Geschmack entspricht. „Perfekt" bemisst sich hier nicht mehr daran, ob die Erwartungen anderer erfüllt wurden, sondern daran, ob diese Zeit endlich einzig für einen selbst existiert. Und sei sie noch so kurz, noch so unbedeutend – solange dieser Moment wirklich einem selbst gehört, ist er bereits kostbar genug.
Der Begriff „Naesoong" im Titel dreht diese Szene noch einmal auf leise Weise um. In der Außenwelt kontrolliert sie sich stets mit gedämpftem Ton und tadelloser Haltung. Beim gemeinsamen Essen sagt sie lächelnd „Ich bin satt" und legt die Stäbchen behutsam ab; im Büro bewahrt sie stets eine Miene, die beschäftigt, aber gefasst, erschöpft, aber würdevoll wirkt. Doch sobald die Tür geschlossen ist und sie ganz allein ist, kommen die lange unterdrückten Gelüste und Vorlieben endlich zum Vorschein. Sie übergießt das Tangsuyuk ohne zu zögern mit reichlich süßsaurer Soße und kratzt auch den letzten Rest Jajangmyeon-Soße sorgfältig vom Boden der Schale. Dieses Bild entspricht offensichtlich nicht dem, was die Gesellschaft an „sanfter Anmut" erwartet. Doch ich möchte diese Abweichung nicht als eine peinliche Entgleisung betrachten. Im Gegenteil: Ich glaube fest daran, dass menschliches Verlangen gerade in solchen Rissen am ehrlichsten und berührendsten erscheint. In „Naesoong: Der perfekte Tisch" wird genau jene Maske der Gefasstheit und Zurückhaltung abgenommen, und was zum Vorschein kommt, ist ein wahrhaftiges, hungriges Selbst. „Perfekt" bedeutet hier nicht mehr ein makelloses, untadeliges Bild, sondern die Fähigkeit, sich – sobald man sich vorübergehend dem Blick der anderen entzogen hat – endlich leise selbst sagen zu können: „Auch heute habe ich durchgehalten." Dieses kleine, aber echte Recht zurückzugewinnen, ist genau die Frage, die dieser Esstisch stellt, und genau dort, wohin dieses Werk wirklich gelangen will.
Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung (Quelle: Kim Hyun Jung Art Center)
Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung absolvierte die Sunhwa Arts School (Mittel- und Oberstufe) und studierte anschließend an der Seoul National University im Fachbereich Koreanische Malerei, wo sie auch das Doktorandenprogramm der dortigen Graduiertenschule abschloss. Bekannt wurde sie durch ihre Serie „Naesoong", die koreanische Alltagssitten des 21. Jahrhunderts darstellt: Mit einem Pinselstrich, der Humor und Ironie zugleich in sich trägt, fängt sie einfühlsam die Lebenswirklichkeit und Gefühlswelt der heutigen Koreaner ein und reagiert unter dem Blickwinkel des „Porträts Koreas" fortlaufend auf gesellschaftliche Realität und Zeitstimmung. Sie trat einst in der EBS-Sendung „Haeyo Hwa Haeyo" als die sogenannte „Dutt-Unnie" auf und ist zugleich Werbebotschafterin der Stadt Seoul sowie der Organisation Hope Bridge. In den letzten Jahren steht sie zudem über soziale Netzwerke mit rund 300.000 Followern in regem Austausch und erweitert durch fortlaufende Ausstellungen im In- und Ausland die Ausdrucks- und Vermittlungsmöglichkeiten der koreanischen Malerei im zeitgenössischen Kontext weiter.