Koreanische Malerin Kim Hyun Jung ARTIST Hyunjung KIM

Heat Magazine | ART Das Naesoong des 21. Jahrhunderts im Hanbok: die koreanische Malerin Kim Hyun Jung

Kategorie Zeitschriften und Periodika Veröffentlicht am 2015.03.01

In der Rubrik 'LIST | ART' der März-Ausgabe 2015 des Heat Magazine wurde die Künstlerin Kim Hyun Jung unter dem Titel 'Das Naesoong des 21. Jahrhunderts im Hanbok' vorgestellt. Der Artikel behandelt die Idee der Serie 'Naesoong-Olympiade', die weltliche Motive wie Luxusartikel, Instantnudeln und Motorroller mit dem Hanbok verbindet, die Collage- und Tusche-Lasur-Technik sowie ihre Versuche mit 'Social Painting' über soziale Medien. Text: Kim Young-woo (freischaffend), Fotos: Kim Jeong-a.

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Das Naesoong des 21. Jahrhunderts im Hanbok: die koreanische Malerin Kim Hyun Jung

Kim Hyun Jung ist eine ostasiatische Malerin, die für ihren äußerst eigenständigen Malstil geliebt wird. Ihre 'Naesoong'-Serie, gestaltet mit Collage und ostasiatischer Maltechnik, drückt das Innenleben der Frau auf völlig neue Weise aus und zieht die Blicke der Betrachter in ihren Bann.

Das freche Naesoong der modernen Frau

Kim Hyun Jung, Absolventin der Abteilung für Ostasiatische Malerei der Seoul National University sowie des dortigen Masterstudiengangs, ist eine hauptberufliche Künstlerin mit gut drei Jahren Berufserfahrung. Dennoch entfaltet sie eine so rege künstlerische Tätigkeit, dass sie bereits fünf Einzelausstellungen veranstaltet hat, und wird sowohl von Kunstliebhabern als auch von der breiten Öffentlichkeit sehr geschätzt.

Der Titel der Werkreihe, mit der sich Kim Hyun Jung dem Publikum eingeprägt hat, lautet 'Naesoong-Olympiade'. 'Naesoong' und 'Olympiade' – zwei überhaupt nicht zusammenpassende Wörter, und genauso eigenwillig ist ihr Werk. In den Bildern isst eine fein im Hanbok gekleidete Frau, während sie auf eine Designer-Handtasche blickt, Instantnudeln oder spielt Billard. Mal versinkt sie mit großen Kopfhörern in Musik, mal liefert sie auf einem Motorroller Pizza aus. Anders als die schlichte, elegante Erscheinung des Hanbok offenbart sie damit provokante, moderne und weltliche Begierden. Durch solche Szenen bringt Kim Hyun Jung auf reizvolle Weise das 'kulturell gewordene Naesoong' der modernen Frau zum Ausdruck.

„Sich formell im Hanbok herauszuputzen und dann, ganz unpassend zur Kleidung, Instantnudeln zu essen – das kann man als typische Geschichte des 'Naesoong' bezeichnen. Schon die Eigenart des Hanbok selbst weckt Neugier darauf, was sich unter dem weiten Rock verbirgt. Ich finde, es ist das denkbar beste Kleidungsstück, um Naesoong zu symbolisieren. Zudem passt es eher zum Camping, die Suppe auf einem tragbaren Gasbrenner in einem Aluminiumtopf zu kochen und direkt aus dem Topfdeckel zu essen. Und indem ich zeige, wie jemand eine Designer-Handtasche trägt und gerne Markenkaffee trinkt, sich aber die eigentliche Mahlzeit mit Instantnudeln begnügt, wollte ich auch eine Art 'kulturell gewordenes Naesoong' einfangen. Analysiert man den Nutzen einer Designer-Handtasche, geht es meiner Meinung nach zu einem großen Teil darum, Zufriedenheit aus den Blicken anderer zu ziehen; und das Streben nach Luxusmarken halte ich für ein Naesoong, das sich, bedingt durch das Bewusstsein für fremde Blicke, zu einer festen kulturellen Erscheinung entwickelt hat."

Darin liegt der Grund, warum die Werkreihe den Titel 'Naesoong-Olympiade' trägt. Die Olympischen Spiele sind ein Wettkampf, der sich seit der griechisch-römischen Antike gewandelt und weiterentwickelt hat. In der 'Naesoong-Olympiade' erzählt die Künstlerin ihre Geschichte anhand von Bewegungen des heutigen, alltäglichen 21. Jahrhunderts. Gewöhnlich erfasst 'Naesoong' einen eher statischen Zustand einer Figur im Alltag. Kim Hyun Jung dagegen wollte das Motiv des Naesoong auf Ereignisse ausweiten, die die Bewegtheit einer Figur einfangen können. Sie drückt Naesoong also aus, indem sie kraftvolle, im Hanbok eigentlich schwer auszuführende Bewegungen oder täuschende Gesten festhält.

Eine neue Entdeckung der ostasiatischen Maltechnik

Kim Hyun Jungs frecher Blick nimmt durch ihre feinsinnige Arbeit eine noch frischere Gestalt an. Sie malt zunächst die Figur nackt und collagiert darüber selbst gefertigtes, dünnes Hanji-Papier, um das eigentümliche Stoffgefühl des Hanbok wiederzugeben – ein Arbeitsverfahren, das auf der authentischen Technik der ostasiatischen Malerei beruht. Dass sie die Jacke per Collage fertigt und den Rock mit Tusche-Lasur so malt, dass er durchscheinend wirkt, lädt den Betrachter dazu ein, den Naesoong-Gedanken 'man kann ganz durchschauen' selbst zu erkennen. Durch die Collage wird zudem die rau-raschelnde Materialstruktur des Hanbok lebendig eingefangen. Diese Ideen sollen aus Kim Hyun Jungs persönlicher Vorliebe für den Hanbok entstanden sein, den sie auch im Alltag gerne trägt.

„Ich habe schon immer gefunden, dass die Farben, die Textur und der Schmuck des Hanbok wirklich wunderschön sind. Der Hanbok ist für mich ein Gegenstand, dessen Schönheit ich unbedingt in meinen Werken zum Ausdruck bringen möchte. Auch im Alltag trage ich bei besonderen Anlässen gerne Hanbok, und ich plane sogar, künftig verschiedene Kollaborationen mit Hanbok-Designern zu verfolgen."

Was Kim Hyun Jung bei ihren Werken am wichtigsten ist, ist die realistische Darstellung. Sie investiert erhebliche Zeit und Mühe, um nicht nur den Gesichtsausdruck, sondern auch Gestik und Requisiten der Figuren fein herauszuarbeiten. Diese Darstellungsweise wird durchweg als Bemühen aufgefasst, das Vorurteil zu widerlegen, koreanische Malerei sei abgedroschen und altmodisch, indem sie an der traditionellen Technik festhält und zugleich nach Elementen sucht, die der zeitgenössischen Kunst entsprechen. Und genau das mag der Grund sein, warum Kim Hyun Jungs Werke beim breiten Publikum so beliebt sind.

Ganz wie es sich für eine junge Malerin gehört, kommuniziert Kim Hyun Jung aktiv mit dem Publikum, unter anderem indem sie über soziale Medien Rückmeldungen zu ihren Werken einholt. Das ist Teil ihres Bemühens, ein eigenes Genre namens 'Social Painting' zu begründen. Beim Social Painting diskutieren Publikum und Künstlerin gemeinsam über soziale Netzwerke und beeinflussen so sogar die Vollendung des Werks.

„Bisher habe ich jedes fertiggestellte Werk mit einer kurzen Beschreibung in den sozialen Medien veröffentlicht, mir über die Kommentare die Deutungen und Reaktionen des Publikums angesehen und darauf aufbauend das nächste Werk konzipiert. Ich denke, das kann eine Erweiterung der partizipativen Kunst sein und allen die Erfahrung schenken, gewissermaßen gemeinsam an einem Werk beteiligt zu sein."

Kim Hyun Jung arbeitet derzeit an einer neuen Serie für dieses Jahr: dem 'Naesoong-Vergnügungspark'. Sie plant, mit der Schaffung eines alltäglichen Spielraums allein für Erwachsene die Welt der 'Naesoong-Olympiade' noch weiter auszudehnen. Für diesen Sommer bereitet Kim Hyun Jung zudem eine weitere Einzelausstellung vor.

Text | Kim Young-woo (freischaffend) Fotos | Kim Jeong-a

[Bildunterschriften]

1 Kim Hyun Jung, als wäre sie direkt aus ihrem eigenen Werk hervorgegangen. 2 Werke, die die Naesoong-Olympiade-Serie als Modelle nachbilden. 3 'Naesoong: Gong'. 4 'Naesoong: Acha'. 5 Kim Hyun Jung vertieft in ihre Arbeit. 6 'Naesoong: Du, die mich bewegst'.