Koreanische Malerin Kim Hyun Jung ARTIST Hyunjung KIM

China Commercial News | Kim Hyun Jungs koreanisches Porträt: Innere Schönheit – Die perfekte Ruhe nach dem Alleinessen

Kategorie Zeitungen und Online-Artikel Veröffentlicht am 2026.03.18

Dieser Artikel stellt Kim Hyun Jungs neues Werk „Naesoong: Der perfekte Esstisch" vor. Anhand einer Frau, die allein Jjajangmyeon und süß-saures Schweinefleisch an einem Paketkarton als Esstisch isst, zeichnet er die Erschöpfung und den Selbstoptimierungszwang hinter der gesellschaftlichen Forderung nach, „auch allein gut auf sich zu achten". Die Künstlerin erklärt, die Figur im Bild sei weder jemandes Mutter noch jemandes Ehefrau, sondern schlicht das „Ich", das den heutigen Tag durchgestanden habe, und dass gerade der Moment, in dem man sich kurz dem Blick anderer entzieht, wahre Erholung bedeute. Der Artikel stellt zudem ihren Werdegang vor – Abschluss an der Sunhwa-Kunstmittel- und -oberschule sowie im Fach koreanische Malerei an der Seoul National University – und ihre Bekanntheit durch die „Naesoong-Serie".

Volltext anzeigen

Die koreanische Gesellschaft predigt heute unablässig eine bestimmte Lebensphilosophie: „Auch wenn man allein ist, soll man gut essen und gut leben." Unternehmen sprechen von der Work-Life-Balance des Einzelnen, während die Medien das Alleinessen und Alleintrinken als Lebensstil einer neuen Generation vermarkten. Doch hinter diesen scheinbar leichten, trendigen Worten verbirgt sich ein längst erschöpfter Körper und Geist. Allein zu essen ist weniger eine Form der Freiheit als vielmehr eine erzwungene Gewohnheit, ein Ausdruck der Realität. Es ist auch ein Schatten, den die gegenwärtige Arbeitsstruktur wirft – den Menschen wird sogar der Spielraum genommen, in Ruhe gemeinsam mit anderen eine Mahlzeit einzunehmen. Die Gesellschaft mahnt ständig, man solle „lernen, auf sich selbst zu achten", doch Zeit, Geld und Energie, die eine echte „Selbstfürsorge" tragen würden, werden still und leise wieder auf den Einzelnen abgewälzt. Wonach erschöpfte Menschen greifen, ist kein teures Ferienresort und keine ferne Flucht, sondern lediglich die vertraute Seite in einer Lieferdienst-App. Diese Gesellschaft, die unablässig „Liebe dich selbst!" ruft, macht selbst die grundlegendste Erholung davon abhängig, ob man gut genug im Selbstmanagement ist. Dieser Widerspruch lässt mich nicht los.

Als koreanische Malerin wollte ich dieses Unbehagen in ein Bild einer privaten Mahlzeit verwandeln. Keine Bankettszene auf einem traditionellen Wandschirm, kein prunkvoller Tisch als Symbol familiärer Vereinigung, sondern eine Frau, die einen Paketkarton der Post als Esstisch zweckentfremdet und allein Jjajangmyeon und süß-saures Schweinefleisch vor sich hat. Sie trägt eine ordentliche, elegante Hanbok-Jacke, doch ihre Haltung ist alles andere als gesittet. Sie lehnt schräg auf dem Boden, ein Bein lässig ausgestreckt, den Blick gedankenverloren auf die endlos abspielenden Kurzvideos auf ihrem Handy gerichtet. Das ist weit entfernt von jenen „heilsamen Bildern", die wir aus der Werbung gewohnt sind. Doch gerade ich glaube, dass das wahre Gesicht der Erholung sich genau in solchen etwas unbeholfenen, entspannten, ja fast unordentlichen Momenten zeigt. Dies ist kein Tisch, der anderen vorgeführt werden soll, sondern eine private Bühne, die einzig ihr selbst vorbehalten ist. Das Werk „Naesoong: Der perfekte Esstisch" rückt genau jenes „Ich", das im Zentrum dieser Bühne sitzt, ganz nach vorne ins Bild.

Das eigentliche Zentrum dieses Bildes ist der Paketkarton. Dieser Einwegkarton offenbart fast ungeschminkt die Vorläufigkeit und Improvisation unseres Lebens. Wie ein Wellpappkarton, der heute vor der Tür aufgestapelt und morgen bereits abtransportiert wird, beruht auch unsere Erholung stets auf einer Art Notlösung. Nach Hause gekommen nach Überstunden, während man sich schon um den nächsten Morgen sorgt, schlingt man hastig die späte Mahlzeit hinunter – kein sorgfältig für die Familie zubereiteter Tisch, sondern die unmittelbarste Wahl, um den erschöpften Körper irgendwie über die Runden zu bringen. Die dunkle, dickflüssige Sauce des Jjajangmyeon, der ölige Glanz auf dem süß-sauren Schweinefleisch – all das ist weit entfernt von den vielgepriesenen Tugenden „Gesundheit" und „Mäßigung". Und doch bleibt diese Mahlzeit ein kleines, aber echtes Ritual, das einem bestätigt: Ich lebe noch, ich behaupte inmitten dieser tagtäglichen Erschöpfung noch ein Mindestmaß an Existenz. Die Kurzvideos, die automatisch und unablässig auf dem Handydisplay weiterlaufen, wirken wie ein leises, aber beständiges inneres Signal, das sagt: „Ich möchte für einen Moment nicht mehr denken müssen." „Perfekt" bedeutet hier weder ein ausgewogenes Verhältnis von Geschmack und Nährwert noch Raffinesse und Anstand, sondern schlicht, endlich für einen Augenblick geistige Leere zu erlangen – ohne urteilen, ohne reagieren, ohne sich weiter zusammenreißen zu müssen.

Der „perfekte Esstisch", den sich die Gesellschaft vorstellt, bleibt bis heute an die Szene eines gemeinsamen Familienabendessens gebunden. Und im Zentrum jenes Tisches steht fast immer eine Mutter. Sie legt unablässig nach, wärmt erkaltete Beilagen wieder auf und teilt das Essen einzeln nach dem unterschiedlichen Geschmack jedes Familienmitglieds auf. Diese Mühe wird stets im Namen der „Liebe" verklärt, zur Tugend der „Hingabe" verbrämt. Doch diese Anstrengung wird so gut wie nie wirklich vergolten. Niemand schafft ihr Zeit zum Ausruhen, niemand nimmt ihr einen Teil der Hausarbeit ab. Diese stillschweigende Duldung, für die niemand Verantwortung übernimmt, widert mich an. Deshalb wird die Frau in „Naesoong: Der perfekte Esstisch" nicht mehr als jemandes Mutter oder Ehefrau bezeichnet. Sie ist einfach nur das „Ich", das den heutigen Tag durchgestanden hat und allein vor einem Tisch sitzt, der ganz und gar dem eigenen Geschmack entspricht. „Perfekt" bedeutet hier nicht mehr, die Erwartungen anderer zu erfüllen, sondern ob diese Zeit endlich nur für einen selbst existiert. Und sei sie noch so kurz, noch so unbedeutend – solange dieser Moment wirklich einem selbst gehört, ist er bereits kostbar genug.

Und das Wort „Naesoong" im Titel dreht diese Szene noch einmal leise um. In der Außenwelt kontrolliert sie sich stets mit gedämpfter Stimme und gesittetem Auftreten. Bei gemeinsamen Mahlzeiten sagt sie lächelnd „Ich bin satt" und legt sanft die Essstäbchen ab; im Büro bewahrt sie stets eine Miene, die geschäftig und doch gefasst, erschöpft und doch würdevoll wirkt. Doch wenn die Tür sich schließt und sie allein zurückbleibt, kommen endlich die lange unterdrückten Gelüste und Vorlieben zum Vorschein. Sie übergießt das süß-saure Schweinefleisch ohne Zögern mit reichlich Sauce und kratzt sorgfältig den letzten Rest der schwarzen Sauce vom Boden der Schale. Dieses Bild entspricht offensichtlich nicht der gesellschaftlich erwarteten „sanften Wohlanständigkeit". Doch ich möchte diese Abweichung nicht als peinlichen Kontrollverlust deuten. Im Gegenteil, ich glaube fest daran, dass das Verlangen eines Menschen gerade in solchen Rissen am ehrlichsten und berührendsten zutage tritt. In „Naesoong: Der perfekte Esstisch" wird genau jene Maske der gefassten Wohlanständigkeit abgenommen, und zum Vorschein kommt ein echtes, hungriges Ich. „Perfekt" bedeutet hier nicht mehr ein makelloses, tadelloses Bild, sondern dass man, sobald man sich kurz dem Blick anderer entzogen hat, sich endlich leise selbst sagen kann: „Auch heute habe ich durchgehalten." Genau dieses kleine, aber wahrhaftige Recht zurückzugewinnen – das ist die Frage, die dieser Tisch stellt, und das ist es, wohin dieses Werk eigentlich gelangen will.

Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung (Quelle: Kim Hyun Jung Art Center)

Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung absolvierte die Sunhwa-Kunstmittelschule und -oberschule sowie das Fach Koreanische Malerei an der Seoul National University, wo sie auch das Doktoratsprogramm der dortigen Graduiertenschule abschloss. Bekannt wurde sie durch ihre „Naesoong-Serie", die koreanische Alltagssitten des 21. Jahrhunderts darstellt; mit einem Pinselstrich, der Humor und Ironie zugleich vereint, fängt sie einfühlsam die Lebenswirklichkeit und Gefühlswelt der heutigen Koreaner ein und reagiert dabei fortlaufend aus der Perspektive des „Porträts Koreas" auf gesellschaftliche Realitäten und den Zeitgeist. Sie trat einst als „Dutt-Schwester" in der EBS-Sendung „Haeyo Hwa Haeyo" auf und ist zugleich Werbebotschafterin der Stadt Seoul sowie von Hope Bridge. In den letzten Jahren pflegt sie zudem über soziale Netzwerke den Austausch mit rund 300.000 Followern und erweitert durch fortlaufende Ausstellungen im In- und Ausland kontinuierlich die Ausdrucksgrenzen und Verbreitungsmöglichkeiten der koreanischen Malerei im zeitgenössischen Kontext.