Maeil Business Newspaper | Das koreanische Porträt der Malerin Kim Hyun Jung: Innere Schönheit – Jugend ist keine Frage des Alters, sondern der Richtung
In diesem Text stellt die Künstlerin Kim Hyun Jung ihr Gemälde <Naesoong: Wo ist dein Regenbogen?> vor. Anhand der „Naesoong-Frau“, die im Hanbok gekleidet auf einem großen Harley-Davidson-Motorrad sitzt, spricht sie über die Sehnsucht der mittleren Generation, die in jungen Jahren aufgeschobene Träume nun spät verwirklicht, sowie über die generationsübergreifende Frage nach der eigenen Lebensrichtung. Am Ende des Artikels wird zudem der Werdegang der Künstlerin Kim Hyun Jung vorgestellt.
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Erklärung zum Werk: Persönliche Meinung, nur zu Informationszwecken.
An der Kreuzung auf meinem Weg zur Arbeit begegne ich häufig jenen wuchtigen Motorrädern. Helm, Lederjacke, das tiefe, schwere Dröhnen des Auspuffs – all das lässt einen unwillkürlich an das Bild eines jungen Mannes denken. Doch wenn der Blick tatsächlich auf den Fahrer fällt, sitzt darauf meist ein Mann in seinen Fünfzigern oder Sechzigern.
Warum sucht man ausgerechnet dann, wenn man nicht mehr jung ist, nach einem Fahrzeug, das schwerfällig, gefährlich und mitunter sogar unzeitgemäß wirkt? Vielleicht, weil man in jungen Jahren weder Zeit noch Geld hatte, um seine Träume wirklich in die Hand zu nehmen – und erst heute endlich die Möglichkeit besitzt, jene Sehnsucht wieder aufzugreifen, die von der Realität immer wieder aufgeschoben wurde. Statistiken zufolge sind es gerade Menschen um die fünfzig, die die Hauptkäufergruppe großer, satt klingender Motorräder, insbesondere von Harley-Davidson, bilden. Es ist, als würden jene einst zurückgestellten Träume in der Garage der Fünfzig- und Sechzigjährigen endlich – spät, aber ernsthaft – wieder gestartet.
Wir neigen stets dazu, „Träume“ als das ausschließliche Privileg der Jugend zu betrachten, und kaum jemand fragt einen Fünfzig- oder Sechzigjährigen kurz vor der Pensionierung ernsthaft: Was möchtest du noch tun? Welche Wünsche willst du dir noch erfüllen? Doch heute, da das „hundertjährige Leben“ allmählich zur Realität wird, werden Menschen um die sechzig durch den Beginn der zweiten Lebenshälfte oft erneut zum Nachdenken gezwungen: Wovon werde ich in den kommenden vierzig Jahren leben? Und wohin soll ich gehen?
Ausgehend von genau dieser Frage habe ich das Bild <Naesoong: Wo ist dein Regenbogen?> gemalt. Ich wollte eine äußerlich gesittete „Naesoong-Frau“ im Hanbok in den Mittelpunkt der Welt stellen und sie unter ihrer sanften, zurückhaltenden Fassade zu einem „erwachsenen Kind“ machen, das das Dröhnen des Motors genießt und sich nach Geschwindigkeit und Freiheit sehnt.
Im Zentrum des Bildes sitzt eine Frau in einem roten Jeogori (kurzer Jacke) auf einem gewaltigen Motorrad. Dieses leuchtende Rot, das an die Braut einer traditionellen Hochzeit erinnert, beherrscht beinahe das gesamte Bild, wie eine Flamme, die glühend und ungehemmt lodert. Unter ihr liegt der schwarze, kühl-metallisch glänzende Motorradkörper – schwer, massiv und von einer nicht zu übersehenden Kraft. Die grauen Töne des halbtransparenten Rocksaums und das Beige der Ledertasche breiten sich dazwischen langsam aus und treiben den Kontrast zwischen der statischen traditionellen Tracht und der geschwindigkeitsgeladenen mechanischen Zivilisation auf die Spitze. Die Welt des Hanbok, die eigentlich für Stille, Zurückhaltung, Etikette und Ordnung steht, steht hier nun fest auf einem dröhnenden Motor – als würde sie zugleich schwanken und erwachen.
Der große weiße Freiraum im Hintergrund des Bildes ist jedoch nicht einfach nur „leerer“ Raum. Lenkt der Betrachter seinen Blick nur leicht auf den Rückspiegel des Motorrads, entdeckt er darin eine funkelnde nächtliche Szenerie voller Lichter. Die für die ostasiatische Malerei charakteristische Leerstelle bleibt nicht auf dem Papier stehen, sondern erstreckt sich durch diesen kleinen Spiegel hinaus in die nächtliche Stadtlandschaft. Die in dieses schmale Rechteck komprimierten Gebäude, Scheinwerfer und Straßen deuten auf die lärmende, niemals ruhende moderne Metropole jenseits des eigentlichen Bildes hin. So wird das scheinbar stille weiße Papier allmählich von der Vorstellungskraft des Betrachters gefüllt; der Lärm, das Licht und das Tempo der modernen Stadt strömen leise durch dieses kleine „Fenster im Spiegel“ in das Bild hinein.
Der Gesichtsausdruck der Frau trägt, wie es der Titel andeutet, eine Note von „Naesoong“. Sie wendet den Kopf leicht zur Seite, als würde sie beiläufig einen Blick zurückwerfen – in diesem Blick verbergen sich zugleich Scheu, Prüfung, Provokation und ein Hauch von Anspannung, als fürchte sie, durchschaut zu werden. Ausgerechnet an dem Motorrad, auf dem sie sitzt, hängt jedoch ein Nummernschild mit der Aufschrift „SHY GIRL“. Sie bezeichnet sich einerseits als „schüchternes Mädchen“, sitzt aber andererseits ohne Zögern rittlings auf einer lauten, dominanten, stark männlich konnotierten gewaltigen Maschine. Gerade dieser Kontrast macht die stärkste Wirkung des Werks aus. Mit einem Hauch Humor und einer Prise Ironie durchbricht es sanft jene vertraute koreanische Haltung: nach außen gesittet und zurückhaltend, im Inneren jedoch stets von der Sehnsucht getrieben, mutig Grenzen zu überschreiten.
Harley-Davidson ist in diesem Zusammenhang nicht bloß ein Fortbewegungsmittel. Es ist eine weltweit als „Lovemark“ geltende Marke, ein für viele Menschen fast emotional aufgeladenes Wesen. Für nicht wenige Menschen mittleren Alters ist sie sowohl Symbol der Jugend als auch ein lange unerfülltes romantisches Verlangen. In jungen Jahren drängen Studiengebühren, Miete, die Ausbildungskosten der Kinder und die Ausgaben der Familie Schicht um Schicht auf einen ein; jene Dinge, die „nur für sich selbst“ sind, werden stets zuerst aufgegeben, aufgeschoben, still beiseitegelegt. Die Wünsche, die lange von Identität, Verantwortung und Realität niedergedrückt wurden, heben in den Jahren kurz vor der Pensionierung wieder den Kopf und lassen sich erneut vernehmen. Diesen spät ergehenden Ruf möchte ich mit einem „Regenbogen“ vergleichen. Ein Regenbogen taucht nach dem Regen stets nur kurz auf, leuchtend, aber nicht wirklich zu fassen; er erscheint für einen Augenblick und verschwindet dann leise wieder. Als Kinder haben fast alle von uns einmal einem Regenbogen hinterhergejagt, in der Annahme, man könne den Ort erreichen, an dem er zu schweben scheint, wenn man nur schnell genug liefe. Doch als Erwachsene begraben wir jenen Regenbogen häufig unter den Wolken der Realität und tun so, als bräuchten wir ihn längst nicht mehr. Erst an einem bestimmten Wendepunkt des Lebens taucht er plötzlich wieder auf, wie ein leiser Ruf aus weiter Ferne, der einen daran erinnert: Auch du hattest einmal eine Richtung, der du entgegenlaufen wolltest.
Die koreanische Gesellschaft scheint sowohl an junge als auch an Menschen mittleren Alters widersprüchliche Forderungen zu stellen. Einerseits sagt sie Teenagern und Menschen in ihren Zwanzigern: „Du sollst Träume haben.“ Andererseits mahnt sie unaufhörlich: „Du musst der Realität ins Auge sehen.“ Berufseinstieg, Lebenslauf, Wohnungskauf, ein sicherer Arbeitsplatz, vernünftige Entscheidungen, ein respektabler Lebensweg – sobald man beginnt, all dies gegeneinander abzuwägen, zieht sich der sogenannte „Regenbogen“ Stück für Stück zurück, bis er zuletzt wie eine in die Ecke des Lebenslaufs gefaltete Kritzelei erscheint, so leicht, dass er kaum noch der Rede wert ist. In einer Zeit, in der schon das bloße Sprechen über Träume ein Luxus zu sein scheint, haben wir zu früh gelernt, erwachsen zu sein, und zu früh unsere Unbekümmertheit verloren.
Zugleich ist auch die Elterngeneration unbemerkt an den Rand der Pensionierung gerückt. Erst wenn sie kurz davorstehen, ihre Visitenkarte abzugeben, ihre Position zu verlassen und eine lange gespielte gesellschaftliche Rolle zu beenden, erhalten sie endlich die Gelegenheit, sich selbst erneut zu fragen: Wer bin ich eigentlich, abgesehen vom Unternehmen, abgesehen vom Titel, abgesehen von der Identität als „Elternteil von jemandem“? Was habe ich einst gemocht? Wonach habe ich mich wirklich gesehnt? Was habe ich viel zu lange zurückgelassen? Angesichts dieser spät gestellten Selbstfragen habe ich versucht, ein „SHY GIRL“ im Hanbok, das aber ein schweres Motorrad fährt, dem Schatten des Lebens zu überlagern, den Menschen mittleren Alters beim Rückblick auf sich selbst sehen.
Der Titel <Naesoong: Wo ist dein Regenbogen?> ist selbst eine direkte Frage an den Betrachter. Ein Teenager, der vor diesem Bild steht, wird vielleicht zunächst von dem gewaltigen Motorrad angezogen, noch bevor er den Gesichtsausdruck der Frau liest. In ihm mag ein ganz unmittelbares Gefühl aufsteigen: Ich möchte auch einmal fahren, ich möchte auch so losstürmen. Betrachter in ihren Fünfzigern oder Sechzigern werden dagegen vielleicht nicht zuerst die englische Aufschrift auf dem Nummernschild bemerken, sondern in ihrer leicht unbeholfenen, zurückblickenden Haltung eine Erschütterung spüren, die zugleich fremd und vertraut ist. Es könnte jene vor vielen Jahren im Herzen verborgene Schelmerei sein, ein längst vom Leben abgeschliffener Impuls, jenes Gefühl von Geschwindigkeit, das der Körper einst spürte, als die Jugend geradeaus über eine Straße raste. Dieses Bild will also keine Generationen voneinander trennen, sondern versucht, die Unruhe verschiedener Generationen in ein und demselben Bild zusammenzuführen. Sowohl der junge Mensch, der über die Zukunft im Unklaren ist, als auch der Mensch mittleren Alters, der sich über den Rest seines Lebens ebenso ungewiss fühlt, werden am Ende zur selben Frage zurückgeführt: Wohin bewege ich mich jetzt eigentlich? Und wofür laufe ich überhaupt?
Was ich mit diesem Werk sagen möchte, ist: Die Sorge um Träume gehört niemals nur den Teenagern und Menschen in ihren Zwanzigern. Wir, die wir im Zeitalter des hundertjährigen Lebens leben, haben auch mit dreißig, fünfzig oder sogar siebzig Jahren noch das Recht, uns immer wieder zu fragen: Wohin will ich wirklich? Und denjenigen, die bereits die Lebensmitte erreicht haben, möchte ich sanft zurufen: Vielleicht kommt euer Regenbogen gar nicht zu spät; vielleicht zeigt er gerade jetzt erst seine wahren Farben. So wie ein Regenbogen erst aufsteigt, wenn der Regen aufgehört hat, gibt es auch im Leben Wege, die man erst dann klar erkennt, wenn man den Sturm überstanden hat. Selbst wenn dieser Regenbogen in den Augen anderer nur ein kindisches Spielzeug ist; selbst wenn jenes Dröhnen des Auspuffs für Außenstehende nur eine spät gekommene Eigensinnigkeit ist – solange es dein Herz noch einmal heftig schlagen lässt, solange es dich in einem bestimmten Moment klar spüren lässt: „Ich will noch weiter vorwärts gehen“, ist der Weg, dem du gerade entgegeneilst, dein Regenbogen.
Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung (Quelle: Kim Hyun Jung Art Center)
Die koreanische Malerin Kim Hyun Jung absolvierte die Sunhwa Arts Middle School und eine Kunstoberschule sowie das Fachstudium für ostasiatische Malerei an der Seoul National University, wo sie auch das Doktorandenprogramm der Graduiertenschule abschloss. Bekannt wurde sie durch ihre Naesoong-Serie, die die Alltagssitten des Korea des 21. Jahrhunderts darstellt; mit einem Pinselstrich, der Humor und Ironie zugleich in sich trägt, fängt sie einfühlsam die Lebenswirklichkeit und die emotionalen Schichten der heutigen Koreaner ein und reagiert fortlaufend aus der Perspektive eines „Porträts Koreas“ auf gesellschaftliche Realitäten und den Zeitgeist. Sie war unter dem Beinamen „Bun-Haar-Schwester“ in der EBS-Sendung „Haeyo Hwa Haeyo“ aktiv und fungiert zugleich als Werbebotschafterin der Stadt Seoul und der Organisation „Hoffnungsbrücke“. In den letzten Jahren steht sie zudem über soziale Netzwerke mit rund 300.000 Followern in Austausch und erweitert durch fortlaufende Ausstellungen im In- und Ausland kontinuierlich die Ausdrucks- und Vermittlungsmöglichkeiten der koreanischen Malerei im zeitgenössischen Kontext.